Ich tue nichts mehr, ich mache nichts, lasse alles liegen und kümmere mich nicht. Ich bin außer stand mich aufzuraffen, etwas fertig zu bringen. Selbst das Blog-haus leidet schon darunter. Kein neuer Eintrag mehr seit... ja seit wann? Ich will gar nicht darüber nachdenken. Ich denk ja nicht einmal mehr nach. So ist das. Es zieht durch alle Ecken und Enden. Ein Studenten leben ist das. Überall türmt sich „zu erledigendes“ auf. Ich beachte es zwar aber ...nein, ich missachte es. Etwas wahrnehmen und doch eigentlich nicht sehen, das ist eine Tugend fauler Leute.

Ja so ist es, jetzt ist es raus, gesagt. Ich , ja ich, ausgerechnet... Faul! Mal wieder habe ich mich in eine allzu bequeme Trägheit begeben und jetzt da herauszukommen, dass scheint aussichtslos. Der Mensch neigt dazu ungeliebte oder auch nur Pflichterledigungen ewig vor sich herzu schieben und sich lieber mit Nonsens zu befassen. Ich zB. lese mich in die Landesgeschichte Schottlands ein, wo ich mich doch lieber um den Ärger mit dem Gasversorger und die Handwerker kümmern müsste. Ich tue das ohne Not, lese Clan Geschichte und Landesentstehung. Studiere Wirtschaft und Bevölkerungsdichte eines Landes in das ich nicht so bald vorhabe zu reisen. Ich bezweifle sogar in absehbarer Zeit Unterhaltungen zu führen, in denen ich mein neuerlangtes Wissen einbringen kann. Glänzen.Wussten sie zB, dass Schotland das Zentrum der europäischen Whisky-Industrie ist ? Hauptexportprodukt ist allerdings Computersoftware! Aber das wissen wahrscheinlich nicht mal die Schotten.

Unnütze Dinge sind oft die schönste Beschäfftigung, denn man hat nicht das Gefühl etwas erledigen zu müssen. Sobald man etwas muss , verliert man das Interesse und lässt es. Aber ich muss auch nicht Heiraten oder von einer Brücke springen oder mir die Beine rasieren und mache es trotzdem nicht. Wir müssen nur wollen heißt eine Textzeile einer deutschen Musikantentruppe und recht haben sie. Ich will nicht. Ich will mich nicht um Sachen kümmern die mich nicht interessieren. Will keine Wäsche vom Boden aufsammeln während noch genügend Nachschub auf dem Wäschestander schlummert. Will kein Geschirr spülen wenn die Schubladen noch Reserven bieten. Ich will jetzt nicht den Müll runter tragen, das kann doch auch ein anderer machen. Oder später... ich mach es später oder gleich, aber beides bedeutet nie. Aber so funktioniert das nicht. Gesellschaft funktioniert so nicht. Mann muss alles das tun was man nicht will. Millionen Menschen haben kein Problem damit, sich Dinge im Fernsehen immer wieder aufs Neue anzusehen obwohl Sie sie gar nicht sehen wollen. Man muss es nur tun und dann ist es meist auch nicht so schlimm und man fühlt sich obendrein besser, da man es endlich getan hat. Ameisenkolonien zB. funktionieren genauso, da wird gemacht und nicht gewollt.

Der Schreibtisch an dem ich sitze ist auch ein gutes Beispiel. Er will nicht voller KrimsKrams sein und hat dennoch keine Wahl, weil ich nicht aufräumen will. Ich habe eine kleine Schneise zum Bildschirm und zur Tastatur gegraben um welcher sich wie in einer Gebirgslandschaft die Gipfeldecken winden. Ich muss schichten an Ablagerungen überwinden, will ich an darunter gelegenes gelangen. Mittlerweile durchstoße ich die äußere Hülle nur noch mit einem kräftigen Hieb und berge blindlinks mit den fingern tastend nach dem gesuchten. Überhaupt ertaste ich alles nur noch, meine komplette umweld, es liegt soviel Mist hier rum , dass man ohnehin nicht mehr überblicken kann, was sich alles darunter noch verbirgt. oder dazwischen. Manchmal denke Ich , dass mal jemand hier aufräumen sollte. Dann wird auch das wieder leichter. Oder man müsste verheiratet sein, aber das wäre ein anderes Thema. Jede Unordnung hat ihren Scheinnutzen. Dies beginnt bei der angeblichen Zeitersparnis, wenn man nicht aufräumt, bis hin zu der Erfahrung, dass man eher in Ruhe gelassen wird, wenn man ein so schlampiges Zimmer hat, dass sich niemand mehr zu uns hereinwagt. Sogenannte 'chinesische Beamte' halten ihre Unterlagen absichtlich so in Unordnung, dass niemand anderer sich zurechtfinden kann. Sie erwarten dadurch, dass sie damit ihren Arbeitsplatz absichern.

Wie bei den meisten Problemen liegt auch hier die Lösung in der psychologischen Herangehensweise vergraben. (ich hätte ja nie gedacht einen derartigen Satz jemals zu schreiben) das moderne Leben stehlt den gemeinen Menschen vor verschiedenartige Hürden welche zu überwunden gewusst werden müssen. Würde man nun also all diese Dinge die sich so schwerlich zu bewältigen lassen verbieten würden sie wahrscheinlich ein jeder und jede mit vorliebe tun.

Oder die Menschheit wäre vor lauter Schmutzwäsche, welche sich ungehindert ansammeln würde nicht mehr in der Lage Ihre Häuser zu verlassen, weil sich die Tür nicht öffnen ließe. Eingeschlossne nackte, gefangen in Ihren Wohnungen. Was für ein Schicksal.


Das Dasein ist gespickt von Erledigungen die keiner will, die jedem nur die Laune verderben und weitere Erledigungen nach sich ziehen die erst recht so richtig auf die nerven gehen. Jemand sollte eine Erfindung machen die alles ungeliebte sofort erledigt. Eine Maschine, die all das was keiner will macht. Aber das will ja auch keiner...

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