Das fliegen geht sehr langsam in letzter Zeit. Unspektakulär. Auch fliege ich nicht mehr so nah über den Häusern. Ich will nicht mehr sehen was da unten geschieht, ich kann es ja doch nicht ändern. Manchmal fliege ich jetzt einfach hinaus, raus aus der Stadt, dahin wo es grün und ruhig ist, wie es zuhause war.

Manchmal frage ich mich wo Zuhause ist.

Ich habe nicht nur einen Ort hinter mir gelassen in den ich schon längst nicht mehr hinein passte, ich habe gleichzeitig die Bedeutung dieses Ortes verloren.

Es heißt „ Zuhaue ist wo du bist“ und ich denke das stimmt. Zu oft habe ich dieses Zuhause gesucht und gewechselt. Für jemanden den Ort des seins getauscht und diesen wieder verloren, wenn dieser jemand fort war.

Ich denke ich habe es nun verstanden. Egal wie sehr ich mich auch bemühe, manche Dinge werde ich nicht schaffen können.

Dann gehe ich sehr langsam über eine Wiese und vergesse das S und alles andere, Supergeschwindigkeit und Superstärke. Dann ist mir bewusst wie schwach ich bin.

Man weiß gleichzeitig immer zu viel und zu wenig.

Dann besuche ich den weisen Wikinger in seinem Lager. Es ist immer eine große Freude Ihn zu treffen. Eine herzliche Umarmung folgt. Er ist gut gelaunt und stellt gleich zwei Becher auf den Tisch. Ich brauche nicht viel zu sagen, er weiß immer schon bescheid.

Ich fühle mich nicht mehr Super. Sage ich

Er weiß warum ich gekommen bin. Ich suche Rat, denn ich weiß nicht weiter.

Er hört versunken zu, obwohl er das alles natürlich schon kennt und fragt warum?

Ich warte, was sonst...

Ich warte immer weiter. Warte auf den nächsten Tag an dem vielleicht etwas anders ist. Ich warte auf eine Antwort, ich warte das alles Zusammenstürzt, und ich warte auf nichts, auch das weiß ich jetzt.

Ich sage das und sinke auf die Holzbohlen des Tisches, denn ich habe keine Kraft mehr.

Das ist doch kein Zustand sagt er dann mit deutlicher Stimme und wiederholt das noch einmal
Das ist doch kein Zustand.

Er kennt die Hintergründe dieses Zustands.

Man sollte aufhören ergründen zu wollen warum etwas geschehen ist, sondern versuchen herauszubekommen und sich darauf konzentrieren was man jetzt will.

Er ist schon wieder etwas weiser geworden denke ich ehrfürchtig und nippe an meinem Becher. Aber das ist keine Entscheidung die ich treffen kann, nichts was ich tun kann. Alles was ich tun kann ist nichts. Und das allein frist mich auf.

Er erkennt meine desolate Lage und natürlich weiß er rat. Das Geheimnis heißt Körperzellen Rock sagt er. Und schon springt er behände auf und dann steht er da und beginnt sich Rhythmisch zu bewegen und singt Lauthals:

Jede Zelle meines Körpers ist glücklich,
Jede Körperzelle fühlt sich wohl.
Jede Zelle meines Körpers ist glücklich,
Jede Körperzelle fühlt sich wohl.
Jede Zelle, an jeder Stelle,
Jede Zelle ist voll gut drauf.
Jede Zelle, an jeder Stelle,
Jede Zelle ist voll gut drauf.

Er fordert mich auf mitzumachen und nach kurzem Zögern versuche ich mich zumindest am Text.

Ziemlich holprig stottere Ich: meine Zellen sind Glücklich...lala-la. Ich bin nicht textsicher genug für dieses Ritual, aber der Wikinger singt und bewegt sich unbeirrt weiter.

Er schiebt seine Arme seitwärts am Körper auf und ab, faltet sie über den Schultern und streckt sich dann weit nach oben.

Also versuche ich das auch, aber die Magie des Wikingers fehlt mir genauso wie der Glaube.

Ich weiß es ist nur ein Mittel zum Zweck.

Wir sitzen dann noch lange zusammen und er erzählt Geschichten des Waldes und ich Denke die ganze Zeit nur an Dich...

Als es Zeit zu gehen ist, dreht er sich noch einmal um und ruft mir zu

„Das ist doch kein Zustand“ und wieder wiederholt er sich dann mehrfach und verschwindet in der Dunkelheit mit seinem Körperzellenlied.

Auf dem Rückweg kann ich nicht anders.

Manchmal weiß man plötzlich nicht weiter, dann macht alles keinen Sinn mehr, dann steht man vor anderer Menschen Türen und nichts scheint mehr richtig sondern alles falsch....

Und ich warte...das etwas anders wird...

...vielleicht nach dem Regen....

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