Tanz auf dem Vulkan –Part 1–(Demo)

Auch Superhelden bekommen Post, sie haben eine geheime Identität und eine Adresse, und einen Briefkasten den der Postbote finden kann, und Sie bekommen Rechnungen und Werbeprospekte und Briefe vom Finanzamt. Und manchmal bekommen Sie Briefe, vor denen sie sich plötzlich fürchten.

Das sind Briefe ohne Absender die dem Empfänger sofort bewusst machen woher sie kommen und was sie wollen. Briefe die ihnen die stählernen Herzen unter ihren bunten Kostümen wild zum schlagen bringen.

Diese Briefe sind größer und stärker als Sie selbst.

Neulich habe ich so einen Brief bekommen....

Ich schreie ratlos den Umschlag an, als wäre er mein Erzfeind persönlich, ein Superschurke gekommen um alles mit Unheil zu überziehen. was er den hier macht schreie ich, und warum überhaupt. In meinem Briefkasten! Ich drehe ihn und wende ihn, ich rotiere ihn wild zwischen den fingern. Schüttle Ihn und schreie! „in meinem Briefkasten! ausgerechnet!“

Es gibt keinen Zweifel woher dieser Brief kommt. Es ist das selbe Papier, der selbe Umschlag wie der andere Brief den ich bereits habe, auf dem der Absender steht, den ich hastig zum Vergleich aus der Schachtel nehme. Hier aber fehlt er, nur mein Name und meine Adresse sind deutlich und säuberlich per Hand auf den Umschlag geschrieben, der keine Briefmarke hat, gänzlich nackt ist und damit alles sagt.

Kein Bote hat diesen Brief in der Hand gehabt, kein Verteilungszentrum seinen Stempel hinein hauen können, dieser Brief ist direkt von dir gekommen, und MIT dir. Und das zu wissen, lässt mir die knie weich werden. Auch Superhelden wissen in solchen Momenten was Schnappatmung ist. Lieber würde ich jetzt gegen alle Schurken auf einmal kämpfen als das. Zu wissen das du hier warst, irgendwann heute, denn gestern war der Brief noch nicht da. Das du zu mir gekommen bist, vor meiner Tür standest, aber anstatt herein zu kommen nur diesen Brief hinterlassen hast.

Ich überziehe den Brief mit Verwünschungen schüttle ihn hin und her gebe ihn von einer hand in die andere. Lasse Ihn wild durch die Luft sausen, wie einen papierflieger. „Arghhh!“ Warum?!

Ich laufe hin und her durch die Wohnung, sause den Flur auf und ab und verliere hier und da den Boden unter den Füßen. Bleibe ab und an abrupt stehen und keife „ Warum bist du hier?!“

S. schaut träge von seinem Fernsehprogramm auf, er sagt nichts und sinkt zurück hinter den Bildschirm. Ich höre wie der Ton lauter wird.

Jetzt tanze ich um den Brief herum, wie der Belzebub ums Fegefeuer. Immer noch wüste Verwünschungen in die Luft schnaubend, werfe ich ihn auf den Tisch und habe ihn doch sofort wieder in der Hand. So ein Brief klebt an einem wie das Shirt nach dem Sportunterricht oder Kaugummi in den Haaren.

Solche Briefe bekommt man nur aus einem einzigen Grund und dieser Gedanke zieht sich durch meine Glieder wie ein Bungee-Seil.

Meine Ratlosigkeit wird immer verzweifelter und ich rede abwechselnd mit dem Briefumschlag und mit mir.

Ich versuche den Umschlag zu beschwichtigen und vor allem mich selbst. Für einige Sekunden ist es dann ganz still, bis der Sturm wieder fahrt aufnimmt. Schubartig und unkontrolierbar.

Was macht dieser Brief hier? Ich drehe mich im kreis noch schneller drehen sich die Gedanken. Dieser Brief ist hier! einfach so! und wo bist du!

S. schaut jetzt angestrengt herüber, der ton des Fernsehers ist kaum noch zu hören und wird immer leiser. Er schiebt trocken eine Frage herüber: Irgendwas los?

Brief nuschel ich und drehe mich um.

Meine Stimme schwankt zwischen Hysterie und sterbender schwan.

Ich erkläre dem Umschlag warum er unmöglich hier sein kann, niemals hier sein sollte, dass er hier falsch ist.

Wenn mich die anderen Superhelden jetzt so sehen würden, oder die Schurken oder du!

So ein Brief ist Anstrengender als sich das die Verfasser vorstellen können, er raubt dem Empfänger nicht nur sämtliche Kräfte sondern auch den Verstand. Sie lassen die Stärksten Helden zu Autoscootern werden.

Ich sinke resignierend in den Sessel zurück. Kraftlos. Regungslos. Vielleicht ist es ja gar nicht das was ich denke, Vielleicht war einfach keine Zeit da, oder ICH war nicht da. Vielleicht reagiere ich nur über und es ist gar nicht so schlimm. Der Brief weiß mehr. Ich spiele alle Möglichkeiten durch die mir in den Sinn kommen könnten, aber, meine Gedanken sind so beweglich wie eine Fliege in einem Topf voll Grießbrei.

Was willst du?!

Ich rede jetzt verstört auf den Umschlag ein, versuche ihm etwas zu entlocken, halte Ihn gegen das Fenster. Der Umschlag ist zu Dick. Du kannst doch nicht einfach hier gewesen sein! Dafür!

Was wenn du den Brief einfach aufmachst? Tönt es Altklug herüber.

Ich kann doch nicht einfach den Brief aufmachen zischele ich hysterisch.

Ich könnte den Brief aufmachen sagt S. neugierig von seiner Couch. Wenn ich einen Brieföffner bräuchte hätte ich einen Assi wie Batman raune ich.

Ich bin Superman sage ich und knittere unsicher an dem Briefumschlag herum.

Aber wem mache ich hier was vor?

Worauf wartest du noch?

Ja , worauf?

...wenn er erstmal auf ist, ist alles aus...

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